„Ich fürchte, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist erst der Anfang. Und zwar der Anfang einer Tendenz.“ Mit diesen Worten beginnt der Theologe und Kolumnist Ralf Frisch seinen Beitrag über die politische Polarisierung und die zukünftige Rolle der evangelischen Kirche.
Frisch warnt davor, dass die Kirche ihre Identität zunehmend aus der Abgrenzung von der AfD gewinnen und selbst zum Teil eines politischen Lagers werden könnte. Dabei plädiert er weder für politische Gleichgültigkeit noch für eine Verharmlosung von Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Menschenfeindlichkeit. Er fragt vielmehr, ob die Kirche auch politisch ungeliebten Menschen Raum geben kann, ohne deren Ansichten und Handlungen gutzuheißen.
Ausgehend von der christlichen Feindesliebe und Martin Luthers Unterscheidung zwischen Person und Werk entwirft Frisch das Bild einer Kirche, die nicht in erster Linie gegen jemanden steht. Sie soll ein Ort der Begegnung, Seelsorge und Versöhnung bleiben, an dem politische Überzeugungen nicht das letzte Urteil über einen Menschen bestimmen.

