Das Ende der Streitkultur?

Das Ende der Streitkultur

Ich bin ja wahrlich nicht zimperlich. Verbal jedenfalls. Und ich war bisher noch immer ein Meister darin, mir zum richtigen, also zum falschen Zeitpunkt am richtigen, also am falschen Ort, das heißt im Dynamitlager ein Zigarettchen anzuzünden und es mit diebischer Freunde in die Menge der Fassungslosen zu schnippen. 

Vielleicht bin ich sogar ein bisschen pyroman. Denn ich finde, dass das Feuer des Geistes getrost ein bisschen flammender lodern und seine Funken etwas knisternder überspringen lassen könnte. Ich meine damit nicht das Feuer der Zündler, der Brandstifter und der Scheiterhaufen, sondern das Feuer des argumentativen Schlagabtauschs unter leidenschaftlich Verschiedengesinnten. Man könnte auch sagen: das Feuer echter Diversität und echter Differenz. 

Ich wünsche mir in virtuellen und realen Foren manchmal weniger Angst vor Kontaktschuld, mehr Streit um die Sache, mehr gedankliche Schonungslosigkeit und mehr Mut zur Konfrontation, aber auch mehr Bereitschaft, nach erbitterten Denk- und Wortgefechten einander die Hände zu schütteln und die Trikots zu tauschen – wohl wissend, dass man dasselbe Spiel spielt und im selben Boot sitzt, das ja doch eigentlich nur ein Ziel haben kann: ein besseres, lebenswerteres, friedlicheres und faireres Miteinander in einer Welt, in der nicht so eine beklemmende, um nicht zu sagen beschissene Stimmung herrscht wie derzeit in Deutschland.

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