Staublinge und Seelen: Gottes wunderbare Geschöpfe

Predigt Staublinge Und Seelen

Predigt über Genesis 2,4b–9.15

am 13. September 2026, dem 15. Sonntag nach Trinitatis
in der Bartholomäus-Kirche zu Sand

Unser aller Anfang, unser aller Hilfe und unser aller Ende sind in dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der Wort und Treue hält ewiglich und der nicht preisgeben will auch nur irgendein Werk Seiner Hände!

Amen.

Von GOTT geliebte Mitchristen!

Zeitgenossen gibt es, die die Bibel beiseitelegen und hübsch in den Schrank stellen / Artgenossen gibt es, die auf das Wort der Bibel nichts geben / die munter drauflos hinaustönen: »Ohne Gott und seinen Segen / können wir auch fröhlich leben!« Oder (nach einem früheren Motto aus DDR-Zeiten): »Ohne Gott und Sonnenschein / fahren wir die Ernte rein!« Mitmenschen gibt es, die das Zeugnis der Bibel von oben herab mitleidig belächeln (und genauso die belächeln, die Bibel lesen). Zeitgenossen gibt es, die die Botschaft der Bibel abtun als überaltert, als unmodern, als nichtssagend, als nicht mehr zeitgemäß. Artgenossen gibt es, die sich sogar hochmütig über das Zeugnis der Bibel hinwegsetzen. Sie könnten sich allerdings auch auf einen Bibeltext berufen, auf einen Abschnitt aus der sog. Urgeschichte, Worte aus 1. Mose 2 (4b–9.15).

Hören wir, was da steht:

»Es war zu der Zeit, da GOTT, der HERR, Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn GOTT, der HERR, hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte GOTT, der HERR, den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und GOTT, der HERR, pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und GOTT, der HERR, ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und GOTT, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.«

Genesis 2,4b–9.15

Ja, wie ist das denn nun … Stimmt es etwa nicht, das Vorurteil vieler Zeit- und Artgenossen? Um der Spannung gleich die Spitze zu nehmen, halte ich kräftig dagegen und behaupte mit frohem, keckem Mut: Das, was hier in der Bibel von uns Menschen ausgesagt ist, das tut gut / das lässt staunen (!) / das müssen alle Menschen hören / das geht jeden von uns an: und wie! Diese Bibelworte sind so etwas wie die Ur-Kunde vom Menschen und von seiner Bestimmung. Diese Ur-Kunde enthält die Absichten Gottes für die Welt und für uns Menschen allesamt. Die Bibel sagt uns, welche Aufgaben wir Menschen haben und worin der Sinn und worin das Ziel unseres Lebens liegt!

Schlicht und einfach, aber tiefgründig erzählt uns 1. Mose 2 unsere Herkunft und Machart: »das Gebilde, das wir sind« / »dass wir Staub sind« / »aus Erde gemacht …« Berührt uns dieser Bescheid eigentlich noch? – Wir allesamt wollen doch mehr oder weniger hoch hinaus / wollen wer sein / etwas darstellen / lechzen nach Anerkennung und Wertschätzung / wollen uns ein Denkmal setzen – dabei sind wir nur Staub, der Erde verhaftet, der Vergänglichkeit preisgegeben … wenn denn nicht Gott (!) Seinen Odem / Seinen Atem in uns gegeben hätte!

Lässt uns diese Botschaft ungerührt, dass unsere Lebendigkeit nichts anderes ist als der Atem Gottes? / Dass wir gewesen sind, wenn Gott Seinen Odem aus uns herauszieht? / Dass wir nicht eine Seele haben, sondern eine lebendige Seele sind allein durch die Güte Gottes? – Es heißt ja eben nicht: ›Und so bekam der Mensch eine lebendige Seele‹, so, als ob er ganz gut auch ohne Seele existieren könnte – nein, er wurde zu einer lebendigen Seele durch Gottes Schöpfertat allein! Das erst macht den Menschen zum Menschen: Gottes Tat! Dass GOTT ihn beseelt! Das erst verleiht dem Menschen seine einmalige Würde: dass er Gottes Geschöpf ist und bleibt und sich darüber seines Lebens freut und darin Gott lobt und ehrt!

Das ändert nichts an seinem Namen: ›Adam‹, zu deutsch: ›Mensch‹ / ›Erdling‹ / ›Staubling‹. Vom Erdboden genommen, bestimmt für die Erde. Ein Nichts ohne die Erde, und ein Nichts ohne GOTT! Ohne GOTT sind wir nicht, und ohne GOTT können wir nichts tun (ob wir das nun glauben oder nicht) … Adams Ort heißt: Gottes Garten, Garten ›Eden‹. Und die Arbeitsplatzbeschreibung lautet: ›Bebauen und bewahren‹ / die Welt, Gottes wundervolle Anlage hegen und pflegen, kultivieren, achten und ehren, lieben und lieb behalten als etwas höchst Kostbares, etwas höchst Schützenswertes, höchst Erhaltenswertes! Darin doch liegt die Aufgabe, die Bestimmung, die Herausforderung für uns Menschen alle, für jeden von uns: Gottes wundervolle Schöpfung zu bebauen und zu bewahren! Dies zu tun, verleiht unserem Leben Sinn. Darin mitzuarbeiten, dafür ist jeder einzelne Mensch geschaffen und gewollt und gebraucht! Dafür ist jeder nötig, keiner überflüssig oder unnütz! Selbst der behinderte, selbst der alte Mensch soll in Gottes Weinberg mitarbeiten, so gut und so lange er es kann! Denn jeder ist wichtig, jeder soll seinen eigenen, unverwechselbaren Beitrag leisten zum Wohle aller und zur Freude Gottes!

Allerdings: Der Mensch der Bibel ist kein sog. ›Arbeitstier‹. Der Mensch, wie GOTT ihn geschaffen und gewollt hat, ist mehr und anderes als das, was er leistet und was auf seinem Gehaltsstreifen steht. Der Sinn des Lebens ist auf jeden Fall mehr als bloßes Funktionieren und als ständiges ›Powern‹, mehr als ständiges Hinterherlaufen und Hinterherhecheln! »Gott loben, das ist unser Amt« – heißt es kurz und bündig. »Gott loben« mit allem, was ich bin, tue und lasse: das ist meine Bestimmung, das verleiht meinem Leben Sinn und Ziel! »Gott loben« mit all den Talenten und Gaben, die ER in mir angelegt hat – »Gott loben« in der Art, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe – »Gott loben« mit meiner Zeit, mit meinem Geld!

Im Gilgamesch-Epos und in anderen altorientalischen Schöpfungsmythen wird erzählt, wie die Götter ihrer harten Arbeit überdrüssig waren und wie sie schließlich auf die Idee kamen, Menschen zu erschaffen, die an ihrer Stelle für sie die fällige Knochenarbeit übernehmen. Der Mensch als Sklave der Götter, der zu funktionieren hat, der nicht aufmucken darf / der rund um die Uhr im Einsatz ist / der sich aufopfert und sich selbst zerfleischt?

Kommt uns das irgendwie bekannt vor? Wie ganz anders / wie wohltuend anders dagegen sieht der biblische Schöpfungsbericht den Menschen! Wir sind Gottes Handarbeit, ja, aber nicht Gottes Handlanger! Mit ganz viel Liebe und Fürsorge hat GOTT jeden einzelnen Menschen zu einem unverwechselbaren Original Seiner Güte geschaffen, und mit jedem von uns hat ER ganz viel vor! Wir sind Gottes wundervolle Geschöpfe: jeder einmalig, unverwechselbar, jeder ein Wunderwerk in sich selbst! Unser Gehirn, vielleicht die Krone des Menschen, 1.340 g schwer, mit 100 Milliarden Nervenzellen ausgestattet, und jede dieser Zellen hat zwischen 1.000 und 10.000 Kontaktmöglichkeiten! Unser Gehirn, jedes einzelne Organ, ein Wunderwerk in sich! Wir können doch nur staunen! Und dieser großartige Schöpfergott traut uns ganz viel Gutes zu! ER vertraut uns Seine wundervolle Schöpfung an, auf dass wir sie bebauen und bewahren, pflegen und ehren, achtsam und verantwortungsvoll behandeln!

Doch was geschieht in dieser Welt? Täglich sterben etwa einhundert verschiedene Tier- oder Pflanzenarten aus … Täglich verhungern im Schnitt 36.000 Kinder … / Was geschieht, wenn Menschen meinen, ›ohne Gott und seinen Segen leben‹ zu können? Was geschieht, wenn Menschen nach eigenem Gusto schalten und walten? Was geschieht, wenn Menschen meinen, nicht mehr bloßes Geschöpf sein zu wollen, wenn sie sich selber zum Schöpfer aufschwingen wollen, zum Herrn über Leben und Tod? / Was passiert, wenn Menschen (!) entscheiden, wer überhaupt leben darf und wie lange und unter welchen Umständen und auf wessen Kosten? / Was passiert, wenn da Menschen von Menschen gezüchtet, sprich: geklont werden?

Zeigt sich die Krankheit unserer Gesellschaft darin, dass wir Menschen immer weniger nach GOTT fragen? / Dass wir immer weniger nach GOTT und nach Seinen heilsamen Geboten leben? / Dass wir auf die Bibel immer weniger geben? / Dass wir uns immer mehr von allem anderen bestimmen und diktieren und jagen und manipulieren lassen? / Dass wir auf der Suche nach dem Sinn des Lebens auf alle unmöglichen ›Pferde‹ setzen – statt auf GOTT zu vertrauen?

Liebe Mitchristen – wie eingangs betont: Wie wohltuend, wie befreiend, wie entkrampfend, wie heilsam ist all das, was die biblische Ur-Kunde vom Menschen sagt: von GOTT liebevoll geschaffen, zu einer lebendigen Seele, durch das ständige Ein- und Ausatmen ständig mit GOTT verbunden / dazu bestimmt, als Gottes Geschöpfe zu leben, der Erde verhaftet, unter einem offenen Himmel / froh und dankbar und in Frieden ›bebauen und bewahren‹ / das annehmen und genießen, was GOTT uns reichlich schenkt! Können wir nicht schlicht und einfach als Gottes wunderbare Geschöpfe leben, in Seinem Sinne handeln, GOTT unseren fürsorglichen HERRN sein lassen und eben darin froh und glücklich werden?

So sei es. Amen.

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